Stromversorgung der Schweiz 2050: Welche Lösungen sind realistisch?
Der Strombedarf der Schweiz wird in den kommenden Jahrzehnten deutlich steigen. Gleichzeitig sollen Klimaneutralität, Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit gewährleistet werden. Doch wie könnte ein tragfähiges Energiesystem im Jahr 2050 tatsächlich aussehen? Mit dieser Fragestellung beschäftigten sich Studierende im Rahmen der Baden 4.0 Summer School 2026 gemeinsam mit cross-ING. Statt nach einer einzelnen «richtigen» Lösung zu suchen, stand die Entwicklung unterschiedlicher Zukunftsszenarien im Mittelpunkt.
Vom heutigen Energiesystem zum Strommix von morgen
Die Ausgangslage zeigt die Dimension der Herausforderung: Für 2050 wird gegenüber 2020 mit einem zusätzlichen Strombedarf von rund 38,6 TWh gerechnet. Trotz des geplanten Ausbaus erneuerbarer Energien könnte gleichzeitig eine Winterstromlücke von rund 9 TWh bestehen.
Damit stellt sich nicht nur die Frage, wie viel Energie produziert werden kann, sondern auch wann sie verfügbar ist, wie sie gespeichert wird und welche Technologien gesellschaftlich, wirtschaftlich und politisch realisierbar sind.
Szenarien statt einfacher Antworten
Die Studierenden analysierten deshalb zunächst die Potenziale von unterschiedlichen Energiequellen hinsichtlich Machbarkeit, Kosten und möglichem Beitrag zur Versorgung.
Anschliessend entwickelten drei Gruppen bewusst unterschiedliche Extremszenarien für die Schweizer Stromversorgung 2050. Die Aufgabe bestand darin, klare Annahmen zu treffen, verschiedene Technologien zu kombinieren und daraus belastbare Zukunftsbilder abzuleiten.
Bewertet wurden die Szenarien nach einheitlichen Kriterien: Bedarfsdeckung, Winterversorgung, Kosten, CO₂-Bilanz, gesellschaftliche Akzeptanz und Risiken. Dadurch wurde sichtbar, welche Konsequenzen unterschiedliche energiepolitische und technologische Entscheidungen haben können. Diese Extremszenarien halfen dabei, die Vor- und Nachteile der einzelnen Technologien zu identifizieren. Aus diesen erstellen die Studierenden dann wieder eine gemischte Strategie.
Komplexe Systeme brauchen systemisches Denken
Die Aufgabe zeigt exemplarisch, was auch viele reale Engineering-Projekte prägt: Komplexe Herausforderungen lassen sich selten durch die Optimierung einer einzelnen Technologie lösen.
Entscheidend ist vielmehr, technische Möglichkeiten, wirtschaftliche Rahmenbedingungen, Risiken und gesellschaftliche Anforderungen gemeinsam zu betrachten, Annahmen transparent zu machen und unterschiedliche Lösungswege systematisch miteinander zu vergleichen.
Genau diese Denkweise stand bei der Baden 4.0 Summer School im Mittelpunkt und gehört auch bei cross-ING zum Engineering-Alltag: Komplexität strukturieren, Szenarien entwickeln und aus vielen möglichen Optionen tragfähige
Lösungen ableiten.
Die Rückmeldungen der Studierenden waren durchweg positiv. Gleichzeitig zeigte die Aufgabe, wie sich auch komplexe Zukunftsfragen durch klare Parameter, strukturierte Szenarien und einen systematischen Vergleich greifbar und diskutierbar machen lassen.



Kommentare